Was bedeutet Tiefentladung beim E-Bike-Akku?
Lithium-Ionen-Zellen arbeiten in einem Spannungsfenster von etwa 2,5 bis 4,2 Volt. Fällt die Spannung zu weit, trennt das BMS den Akku ab, um die Zellen zu schützen. Das ist der sogenannte Tiefschlaf. Bleibt der Akku danach monatelang liegen, sinkt die Spannung durch Selbstentladung weiter. Unterhalb von rund 2 Volt pro Zelle beginnen sich Kupferbestandteile im Inneren zu zersetzen: Ab da ist echte Zellschädigung im Spiel, und einfaches Aufladen wird riskant.
Woran erkennst du einen tiefentladenen Akku?
- Das Ladegerät springt nicht an oder schaltet sofort wieder ab.
- Keine einzige LED leuchtet, auch nach Stunden am Ladegerät nicht.
- Das Display bleibt dunkel, das E-Bike lässt sich nicht einschalten.
- Der Akku war lange nicht in Gebrauch. Der Klassiker: E-Bike im Herbst weggestellt, im Frühjahr ist der Akku tot.
Reagiert dein Akku noch, zeigt aber Fehler? Dann ist es womöglich keine Tiefentladung. Probiere zuerst einen Akku-Reset.
Wie kommt es zur Tiefentladung?
Fast immer durch langes Liegen. Ein Lithium-Akku verliert pro Monat einige Prozent Ladung durch Selbstentladung, und das BMS verbraucht selbst auch etwas Strom. Wird ein halb leerer Akku im Oktober in die Garage gelegt, kann die Spannung bis zum Frühjahr unter die kritische Grenze gefallen sein. Jedes Frühjahr sehen wir in der Werkstatt Dutzende solcher Fälle. Der Akku ist nicht defekt geworden, er wurde nur zu lange sich selbst überlassen.
Kannst du einen tiefentladenen Akku selbst wiederbeleben?
Zwei Dinge kannst du gefahrlos versuchen: das originale Ladegerät ein paar Stunden angeschlossen lassen (manche BMS wachen verzögert auf) und die Kontakte auf Schmutz oder Korrosion prüfen. Mehr bitte nicht. Lass die Finger von Tricks aus dem Internet, bei denen der Akku mit Netzteilen oder einem zweiten Akku „angestoßen“ wird. Bei echter Tiefentladung können sich in den Zellen Kupferdendriten gebildet haben, die beim gewaltsamen Laden interne Kurzschlüsse verursachen. Im schlimmsten Fall endet das mit einem Brand. Genau deshalb gehört ein tiefentladener Akku zur Diagnose in Fachhände.
Was macht KWS Seuren mit deinem tiefentladenen Akku?
Jeder eingesendete Akku bekommt zuerst einen Eingangstest: Wir messen die Spannung jeder Zellgruppe, prüfen das BMS und ermitteln die Restkapazität. Danach gibt es drei ehrliche Antworten:
- Wecken: Sind die Zellen unbeschädigt, laden wir den Akku kontrolliert und schrittweise wieder auf und testen ihn unter Last. Du bekommst ihn mit Testbericht zurück.
- Zellentausch: Sind Zellen geschädigt, ersetzen wir das komplette Zellenpaket durch neue Markenzellen, mit 2 Jahren Garantie. Mehr dazu auf unserer Seite E-Bike Akku Reparatur.
- Abraten: Lohnt sich beides nicht, sagen wir dir das klipp und klar, inklusive Alternative wie einem aufbereiteten Austauschakku.
Steht auf der Produktseite deines Akkus kein Preis, bekommst du nach der Diagnose zuerst ein Angebot. Du entscheidest, was passiert. Nach über 45.000 Reparaturen seit 2017 können wir den Zustand eines Akkus schnell und sicher einschätzen.
Wie verhinderst du eine Tiefentladung?
- Lagere den Akku über den Winter mit 30 bis 60 % Ladung, nicht voll und nicht leer.
- Kühl und trocken lagern, ideal sind 10 bis 15 °C. Nicht im Frostbereich, nicht neben der Heizung.
- Alle zwei bis drei Monate den Ladestand prüfen und bei Bedarf nachladen.
- Den Akku nie komplett leer wegstellen. Das ist die häufigste Ursache, die wir sehen.
Mit der richtigen Lagerung hält ein E-Bike-Akku übrigens deutlich länger. Mehr dazu in unserem Artikel über die Lebensdauer von E-Bike-Akkus.
Häufig gestellte Fragen
Oft ja. Hat das BMS rechtzeitig abgeschaltet und lag der Akku nicht zu lange, lässt er sich kontrolliert wieder aufladen. Entscheidend ist, wie tief und wie lange er entladen war. Genau das klärt der Eingangstest.
Ja, das kann es sein. Bei geschädigten Zellen drohen interne Kurzschlüsse bis hin zum Brand. Deshalb: nur das originale Ladegerät verwenden, nichts erzwingen und im Zweifel erst prüfen lassen.
Das hängt vom Ergebnis der Diagnose ab. Den Preis für einen Zellentausch findest du auf der Produktseite deines Akkumodells; steht dort keiner, melden wir uns zuerst mit einem Angebot.
In der Regel rund 10 Werktage ab Auftragsstart, plus Versand. Den Hinversand organisierst du selbst, der Rückversand ist kostenlos. Details findest du auf unserer Seite Akku-Reparatur in deiner Nähe.