Was ist PGS 37-2?
PGS 37-2 ist die niederländische Richtlinie für die sichere Lagerung lithiumhaltiger Energieträger. Die aktuelle Fassung ist PGS 37-2:2023, Version 1.1. Sie beschreibt Risiken und Maßnahmen rund um Lagerung, beschädigte oder defekte Batterien, Laden, Detektion, Brandbekämpfung, Registrierung und Fachkunde.
Ein Zertifikat ist sie nicht. Welche Maßnahmen an einem Standort rechtlich gelten, hängt in den Niederlanden von der Tätigkeit, dem Akkutyp, dem Zustand der Akkus, der Menge je Brandabschnitt und von Genehmigungsauflagen ab.
Für uns ist die Richtlinie vor allem ein Maßstab. Jeden Werktag treffen gebrauchte, defekte und manchmal beschädigte Akkus bei uns ein. Von jedem Akku wollen wir wissen, in welchem Zustand er ist, ob er sicher zu bearbeiten ist, wo er im Prozess steht und was der nächste Schritt ist.
Transport aus Deutschland nach Beugen
Der Transport nach Beugen muss zum tatsächlichen Akku und zu seinem Zustand passen. Für Lithiumbatterien gelten die einschlägigen ADR-Vorgaben. Ein Akku mit einer normalen technischen Störung ist dabei etwas anderes als ein Akku mit Delle, Leckage oder Brandspuren.
Beschädigte oder transportkritische Akkus können eine eigene Verpackungs- oder Transportlösung verlangen. Klären Sie den Zustand deshalb mit uns, bevor Sie etwas versenden. Wie wir Rückläufe für Geschäftskunden einrichten, lesen Sie unter Akku-Retourenlogistik.
Was passiert mit einem Akku, der bei uns eintrifft?
1. Registrierung und Eingangskontrolle
Der Akku wird mit einem Auftrag oder Vorgang verknüpft. Wir halten die Daten fest und machen eine erste Sicherheitskontrolle auf Dellen, Risse, Verformung, offene Verkabelung, Wasser- oder Brandschäden und Leckage. Sicherheit beginnt hier, noch vor der Diagnose.
2. Technische Beurteilung
Danach messen wir. Je nach Akkutyp prüfen wir Kapazität, Zellbalance, BMS-Funktion, Kommunikation und Fehlercodes. So tauschen wir keine Zellen in einem Akku, der mit einer gezielten Reparatur wieder in Ordnung ist, und wissen, welcher Schritt technisch vertretbar ist.
3. Status und Lagerplatz im Portal
In unserem Portal steht pro Akku, welchen Status er hat und wo er liegt. Das hilft bei Planung und Kundenkontakt, aber auch bei der Sicherheit. Ein normaler Akku im Prozess, ein Akku, der noch beurteilt werden muss, und ein Akku für die Aussonderung gehören nicht in denselben Strom.
4. Laden und Prüfen an einem festen Platz
Laden und Endprüfung finden in dafür festgelegten Einrichtungen statt, getrennt vom Zwischenlager. Wärmeentwicklung, elektrische Fehler und ein mögliches thermisches Durchgehen beherrscht man besser, wenn man genau weiß, wo diese Risiken liegen.
5. Verdächtige oder beschädigte Akkus getrennt
Sehen wir bei der Annahme oder später im Prozess eine Abweichung, die auf ein erhöhtes Risiko hinweist? Dann ist es kein normaler Akku im Prozess mehr. Wir beurteilen ihn nach unserem internen Verfahren und sondern ihn, wo nötig, räumlich in einer dafür vorgesehenen Einrichtung ab. Mitarbeiter melden Abweichungen sofort und lassen einen solchen Akku nicht unbeaufsichtigt im Arbeitsablauf stehen.
6. Instand setzen oder kontrolliert aussondern
Lässt sich ein Akku sicher und sinnvoll instand setzen, tun wir das. Geht das nicht, folgt er einer kontrollierten Aussonderungsroute. Transport- und Entsorgungsdaten halten wir fest.
Wie ist die Sicherheit in der Organisation geregelt?
Ein Lagerschrank aus Stahl nützt wenig, wenn niemand weiß, was er sehen, festhalten und tun muss. Deshalb verbinden wir Einrichtungen mit festen Abläufen, Anweisungen und Kontrollen:
- Sicherheitskontrolle beim Eingang;
- Registrierung von Akku und Prozessstatus;
- getrennte Behandlung unterschiedlicher Risikoströme;
- festgelegte Lade- und Prüfeinrichtungen;
- Sicherheitsunterweisungen und benannte fachkundige Mitarbeiter;
- ein interner Notfallplan für Rauch, Brand und vermutetes thermisches Durchgehen;
- Detektion und Alarmierung über die am Standort eingerichteten Anlagen;
- regelmäßige Kontrolle und Verbesserung im ISO-9001-Managementsystem.
Der Notfallplan legt klar fest, wer was tut. Bei Rauch, Flammen oder Zweifel rufen wir die 112. Mitarbeiter ergreifen nur erste Maßnahmen innerhalb sicherer Grenzen. Bei Brand oder thermischem Durchgehen hat die Feuerwehr die Leitung.
Üben mit der Feuerwehr
Ein Notfallplan auf Papier sagt wenig, solange er nicht geübt wurde. In Beugen haben wir gemeinsam mit der Feuerwehr ein Szenario durchgespielt, mit simuliertem Akkuvorfall, Rauchentwicklung und Personenrettung.
Dabei ging es unter anderem um Anfahrts- und Einsatzweg, das Auslegen der Schläuche, die verfügbare Löschwasserversorgung, die Informationsübergabe und das Beherrschen des betroffenen Akkus. Wir nutzen die Übung, um zu lernen und zu verbessern. Sie ist kein Zertifikat und keine formale Freigabe durch die Feuerwehr.
Rückverfolgbarkeit und ISO 9001
KWS Seuren ist nach ISO 9001:2015 zertifiziert. Für den Batterieservice heißt das: Qualität hängt nicht nur davon ab, was an der Werkbank passiert. Kontrollen, Registrierungen, Abweichungen und Verbesserungsmaßnahmen müssen wiederholbar und nachweisbar sein.
Bei der Akkusicherheit läuft es auf dasselbe hinaus. Man will wissen, welcher Akku eingegangen ist, was mit ihm passiert ist, wo er jetzt steht und welcher Folgeschritt gewählt wurde.
Was passiert mit ausgesonderten Akkus?
Nicht jeder Akku ist zu retten. Ausgesonderte Akkus halten wir getrennt vom Reparaturstrom. Sie gehen in eine kontrollierte Aussonderungsroute. Für Verpackung und Transport von Lithiumbatterien gelten die ADR-Regeln, darauf stimmen wir Transport und Verpackung ab.
Die Reihenfolge bleibt dieselbe: zuerst prüfen, ob eine sichere Instandsetzung oder Wiederverwendung technisch vertretbar ist. Erst wenn das nicht geht, folgt das Ende der Nutzung.
Häufig gestellte Fragen
Nein. PGS 37-2 ist eine Sicherheitsrichtlinie und kein Zertifizierungssystem. KWS Seuren nutzt die Richtlinie als wichtigen Sicherheits- und Prüfrahmen und beschreibt deshalb lieber die konkreten Maßnahmen und Prozesse, als ein Zertifikat zu behaupten, das es nicht gibt.
Nein. PGS 37-2 ist eine niederländische Richtlinie. Auf dieser Seite erklären wir, welchen Rahmen unser Standort in Beugen nutzt. Eine Gleichwertigkeit mit deutschen Vorschriften behaupten wir nicht.
Die Richtlinie arbeitet mit unterschiedlichen Anwendungsgrenzen je Gruppe und Brandabschnitt, darunter 1.000 kg, 333 kg und 30 kg. Beschädigte oder defekte Akkus fallen mit 30 kg in die strengste Gruppe. Deshalb achten wir nicht nur auf Kilogramm, sondern vor allem auf den Zustand des Akkus.
KWS Seuren prüft jeden eingehenden Akku zuerst auf sichtbare Sicherheitsabweichungen. Gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko, bleibt der Akku nicht im normalen Prozess. Er wird nach dem internen Verfahren beurteilt und, wo nötig, getrennt gelagert.
Laden und Endprüfung sind bei KWS Seuren ein eigener Prozessschritt in einer dafür festgelegten Einrichtung, getrennt vom Zwischenlager. Der genaue Ablauf hängt vom Akkutyp, vom Zweck der Prüfung und vom technischen Zustand des Akkus ab.
Ist eine Instandsetzung oder vertretbare Wiederverwendung nicht möglich, geht der Akku bei KWS Seuren in eine kontrollierte Aussonderungsroute. Dabei gelten die Regeln für Lagerung, Verpackung und Transport von Lithiumbatterien.
Nein. Nehmen Sie zuerst Kontakt mit KWS Seuren auf, bevor Sie einen aufgeblähten, undichten, verbrannten, stark erhitzten oder anders sichtbar beschädigten Akku transportieren oder versenden. Für beschädigte oder defekte Lithiumbatterien gelten besondere Transportvorschriften. Ein normaler Paketversand ist dann nicht immer erlaubt.
Für Geschäftskunden
Für Fahrradhändler, Versicherer, Hilfsmittelorganisationen, Leasing- und Flottenbetreiber sowie Hersteller ist Akkusicherheit Teil der Kette. Es geht dann nicht nur um die Reparatur, sondern auch um Annahme, Rückverfolgbarkeit, Zwischenlagerung, Rücklauflogistik und die Route für Akkus, die nicht mehr einsetzbar sind.
Stellt Ihr Qualitätsmanagement, Ihr Einkauf oder Ihre Sicherheitsabteilung Anforderungen an einen Batteriepartner? Dann erläutern wir unsere Prozess- und Qualitätsinformationen und treffen Absprachen zu Annahme, Berichten, Logistik und Rückläufen. Sehen Sie, wie wir mit Geschäftskunden zusammenarbeiten, lesen Sie mehr über Qualität und Sicherheit in jedem Batterieauftrag oder nehmen Sie Kontakt auf.
Einen beschädigten Akku anmelden oder eine Frage stellen?
Haben Sie einen Akku, der aufgebläht, undicht oder verbrannt ist? Nehmen Sie zuerst Kontakt mit uns auf. Dann legen wir gemeinsam fest, wie er sicher zu uns kommt.